Was macht eine gute Domina aus?

Welche Eigenschaften braucht eine gute Domina? Das Thema hat mich lange vor dem Eintritt in meine neue Berufswelt beschäftigt. Was finde ich wichtig? Welche Eigenschaften kann ich bieten? Passen die zwei Dinge zusammen? Irgendwann habe ich eine Liste geschrieben. Sie war lang, etwa 20 Punkte. „Sie muss wahnsinnig böse und niederträchtig sein“ ist keiner davon, das möchte ich gleich vorweg nehmen.

Ich wollte die zehn wichtigsten Dinge herausarbeiten und mich darauf konzentrieren. Dabei spielt meine eigene Persönlichkeit natürlich eine große Rolle – was kann ich gut? Was sind meine besten Eigenschaften? (Die anderen verrate ich natürlich nicht, sonst ist das ganze schöne Marketing zur Sau). Was entstanden ist, ist so eine Art „Unternehmensmission“ für mich geworden. Es sind die Punkte, an denen ich weiter arbeiten will. „Stärken stärken“, so lautet ungefähr das Motto.

1. Loyalität

Die klassische Domina braucht zuallererst eins: Loyalität. Loyalität gegenüber ihren Gästen und Loyalität gegenüber sich selbst. Diese beiden Dinge in Einklang zu bringen erfordert etwas Geschick. Loyalität gegenüber Gästen heißt: Wort zu halten und verlässlich und diskret zu sein, aber auch, sie nicht zu gefährden oder respektlos zu behandeln oder ihre Privatsphäre aufs Spiel zu setzen. Loyalität gegenüber sich selbst äußert sich darin, dass versucht wird, keinen Raubbau an sich selber zu betreiben. Das inkludiert, ständig auf der Hut zu sein vor Dingen, die einem Schaden könnten. Dazu zähle ich Drogen & Alkohol und vor allem eins: Dinge zu tun, die sich nicht gut anfühlen. Alle genannten Punkte können, wenn sie nicht beachtet werden, zu einem abrupten Ende der Karriere oder der persönlichen Gesundheit einer Domina führen. Im Artikel Sicherheit für Dominas – geht das? habe ich das Thema „Bauchgefühl“ bereits einmal angesprochen. Es kann dabei helfen, die für die eigene (psychische) Gesundheit richtigen Entscheidungen zu treffen, wo oft handfeste Beweise fehlen.

2. Empathie

Empathie, also die Fähigkeit, sich in jemand anderen hineinzuversetzen, ist auch ganz weit oben. Empathie hilft, den Gast in seiner (sexuellen) Lebenswelt zu sehen und verstehen. Erst dieses Verständnis macht es möglich, die einzelnen Komponenten der Dominanz im richtigen Verhältnis zu mischen und dem Gast zu geben, was er braucht. Das klingt fast ein bisschen therapeutisch, nicht wahr? Ich sage: ist es auch. Unser Beruf ähnelt anderen Berufsbildern in manchen Aspekten teilweise frappant.

3. Psychische Gesundheit

Um den Beruf einer Domina ausüben zu können, ist es dringend ratsam, über eine gesunde Psyche zu verfügen. Eine Domina muss ständig Kontrolle bewahren und Verantwortung übernehmen, der Fels in der Brandung sein. Besteht ein Problem mit dem Selbstwert, dem Selbstbewusstsein oder gibt es andere psychische Probleme, rate ich von einer Betätigung in diesem Beruf ab. Um mit den andauernden psychischen Belastungen zurecht zu kommen (extreme Wünsche von Sklaven, traurige (Lebens-)Geschichten und respektlose Anfragen, um nur einige Beispiele zu nennen), kann beispielsweise Supervision in Anspruch genommen werden. Wenn man nicht beide Beine fest am Boden hat, wird das auf Dauer auf jeden Fall nichts, ohne dass die Domina, ein Gast und letzlich auch die gesamte Branche Schaden nimmt.

4. Intelligenz und Bildung

Wer will sich von einer Domina befehlen lassen, die ihm nicht ansatzweise geistig das Wasser reichen kann? Das Spiel von Dominanz und Unterwerfung lebt zu einem großen Teil vom sogenannten „Mindfuck“, also dem, was sich in den Köpfen abspielt. Um dieses Spiel auf allen Ebenen zu beherrschen, braucht es ein Mindestmaß an Intelligenz und Bildung. Bildung muss nicht unbedingt mit einem Dokument verbrieft sein, auch Lebenserfahrung hilft. Die Domina muss dem Sklaven immer einen Schritt voraus sein, um ihre Rolle souverän ausfüllen zu können. Klar – wir haben alle mal schwache Tage. Wenn die Domina sich aber schwer tut, 1+1 zusammenzuzählen oder kein einziges gemeinsames Smalltalkthema mit dem Gast findet, wird es etwas eng mit der Dominanz.

5. Humor

Was zur Hölle hat Humor im BDSM verloren? Ich sage: ganz viel. Einerseits ist es eine Bewältigungsstrategie für den ganzen Wahnsinn, dem wir Dominas den ganzen Tag ausgesetzt sind (obwohl es ja zu einem großen Teil unser eigener Wahnsinn ist). Andererseits hilft Humor oft, knifflige Situationen zu bewältigen oder für den Gast eine entspanntere Atmosphäre zu schaffen.

Dominas mit Humor sind besser gerüstet in der Schlacht um das Minimum an zwischenmenschlicher Verbindung, die für das Spiel so wichtig ist.

Und am Ende des Tages sind Gäste, die mitlachen können, einfach die angenehmeren Zeitgenossen als jene, die das ganze so verbissen sehen. BDSM ist Sex. Und Sex darf durchaus heiter sein.

6. Toleranz

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Bei weitem nicht jeder, der mich kontaktiert, hat Interesse an Schmerz oder Erniedrigung. Das Feld, das wir Dominas bedienen, ist ein viel weiteres, allerdings gehen die Randvorlieben (nennen wir seltenere Interessen einfach mal so) im großen Rauschen oft unter.

Nicht selten muss ich zwei Mal hinhören, wenn mir ein Interessent seine Wünsche darlegt.

Wenn diese Wünsche nicht gesetzeswidrig oder gemeingefährlich sind, sehe ich es als meine Aufgabe, wertfrei zu beurteilen, ob der Wunsch erfüllt werden kann oder nicht. Für diese wertfreie Betrachtung und das Entwickeln einer Antwort auf das Bedürfnis des Gastes bedarf es ganz viel Toleranz. Natürlich muss ich manchmal im ersten Moment schmunzeln, aber genau das macht unseren Job so spannend. Und sehr oft verstehe ich plötzlich ganz genau, was daran reizvoll ist, wenn ich mit dem Gast gemeinsam mitten im Spiel bin.

7. Flexibilität und Improvisationstalent

Nicht immer klappen die Dinge so, wie sie sich der dominante Part zurechtgelegt hat. Das Seil rutscht, der Haken geht nicht in den Arsch, oder der Sub jammert schon wenn man ihn nur böse ansieht. Aber nicht nur während des Spiels gehen Dinge schief. Termine werden verschoben, nicht eingehalten oder exakt das Outfit, das sich der Gast in der nächsten Stunde wünscht, hängt tropfnass am Wäscheständer oder das Spielzeug, das man sich einbildet, ist partout nicht auffindbar. Das sind alles keine Beinbrüche. Es gibt immer einen Weg, wenn das Improvisationstalent und die Flexibilität gegeben sind. Es hilft auch ein gutes Netzwerk um Flexibilität bieten zu können – in meinem Fall sind das meine Kolleginnen im Studio, auf die in jeder Situation Verlass ist und die mich schon öfter mal aus einer kniffligen Situation gerettet haben (Danke Mädels, ich stehe auf Euch!) Oder andere Menschen, die mit Rat und Tat zur Seite stehen und im privaten Umfeld die Stellung halten und verzeihen, dass man zu den unmöglichsten Zeiten am Arbeiten ist.

8. Dominanz

Almost last but not least – ein bisschen Dominanz schadet natürlich auch nicht. Die Freude daran, andere zu unterwerfen, die Freude daran, den Text anzusagen. Die kleinen Fiesheiten zu genießen, die im Spiel passieren. In Normaloberufen würde man es wohl „Führungsqualität“ nennen. Dominanz sollte sich eher in Souveränität, Voraussicht und liebevollem Hinführen zu den diversen Spielarten als in lautem unfreundlichem Gehabe äußern. Gut – jedem Tierchen sein Pläsierchen, ich persönlich finde aber, dass Arroganz, fieses Verhalten und böse Behandlungen erst ab dem Zeitpunkt angebracht sind, wo ein klar abgegrenztes Spiel stattfindet.

9. Technische Fähigkeiten

Dominanz als Profi bedeutet, dass man die Techniken, die man anwendet auch beherrscht.

Es ist besser, drei Dinge richtig zu können als zehn nur ansatzweise.

Es gibt in dem Bereich viel zu lernen. Dominanz ist Handwerk, das wird jede Domina bestätigen können. Wir müssen wissen, wie Hygiene praktisch umgesetzt wird, welche Gerätschaften wie einzusetzen sind und wie wir den Gast vor unangenehmen Folgeerscheinungen wie Verletzungen und Krankheiten schützen.

Das Spiel soll zwar nachhaltig sein aber auf das Leben des Gastes keine unerwünschten Auswirkungen haben.

Das einfachste Beispiel dafür ist das Schlagen – wo schlage ich mit welchem Werkzeug hin? Welches Werkzeug macht in welcher Intensität welche Spuren und wie lange halten sie an?

Für 90% der Gäste sind ein paar Basics ausreichend. Ich kann es nur immer wiederholen. Dominanz hat zu 30% mit den angewandten Techniken zu tun und zu 70% mit Persönlichkeit. Für mich persönlich ist es aber immer spannend, neue Dinge zu lernen. An dieser Stelle danke ich Lady Evelyn (dank Dir kann ich jetzt aus Schwänzen Mumus nähen, Du bist meine Lieblingsperverse!) und Contessa Juliette, die mir mit ihrem reichen Erfahrungsschatz schon so oft weitergeholfen haben und mich tatkräftig dabei unterstützen, mich weiter zu entwickeln.

10. Aussehen

Wie gerne würde ich sagen, dass Aussehen nur eine untergeordnete Rolle spielt, weil wir alle so reflektierte Menschen sind und uns auf innere Werte konzentrieren und blahblahblah. Stimmt aber nicht. Männer sind enorm visuelle Wesen. Eine Domina sollte also sehr viel Wert auf ihr Äußeres legen. Das bedeutet akribische Körperpflege, sinnvolles Styling und stilvolle Kleidung. Die gewählten Optionen sollten zum Typ passen, selbst wenn schwarz in unserem Fall definitiv das neue schwarz ist.

Es ist besser, nur drei gut sitzende Outfits zu besitzen als den Schrank voll mit irgendwelchen zweitklassigen Fetzen zu haben.

Im Wirtschaftsleben wird Menschen im guten Anzug mehr Kompetenz zugeschrieben als jenen in Jeans und T-Shirt (außer Du heißt Steve Jobs – Gott hab‘ ihn selig – oder Mark Zuckerberg). Dasselbe gilt für Dominas. Zuviel Nacktheit, zu extravagantes Make-up und deutlich sichtbare chirurgische Optimierungsmaßnahmen lassen eine Domina nicht unbedingt vertrauenswürdiger erscheinen. Das ist aber mein ganz persönlicher Geschmack – es gibt für jede Art von Auftritt sicher genügend Anhänger.

Wie man sich präsentiert, hängt auch damit zusammen, welche Leistungen man anbietet.

Für eine Domina, die berührbare Dominanz anbietet, ist ein bisschen Nacktheit sicher nicht verkehrt. So muss jede ihren eigenen Weg finden. Es ist aber – gerade beim Thema Nacktheit – zu bedenken, dass alleine der Umstand, dass der Sklave nackt und die Domina angezogen ist, ein Machtgefälle auslöst.

Egal, wie man aussieht, es gibt immer Möglichkeiten, das beste aus seinem Typ zu machen und eine attraktive Erscheinung abzugeben. Ein paar Kilo zuviel? Egal. Wenn die Kleidung sitzt, kann das reizvoll sein. Zu große Nase? Das interessiert kein Schwein, wenn der Rest passt. Wir müssen nicht perfekt sein, sollten aber immer das Beste rausholen (das ist ziemlich anstrengend, lohnt sich aber). Aussehen ist also definitiv ein Punkt, egal, wie die Domina das für sich schlussendlich interpretiert.

Einen Punkt möchte ich noch anfügen:

Es wäre gut, wenn man so aussieht wie auf den Bildern, die man veröffentlicht.

Kleinere Korrekturen sind erlaubt – Pickel wegretuschieren oder das eine oder andere Fältchen ein bisschen glätten ist sicher in Ordnung. Wenn der Gast aber in der Realität etwas vorfindet, was mit den Bildern so gar nichts mehr zu tun hat, dann ist das blöd.

Fazit

Wie man es dreht und wendet, der Beruf der Domina verlangt einem so einiges ab. Wer glaubt, mit ein bisschen Lack und Leder und böse schauen ist es getan, hat sich geschnitten. Wenn man aber über ein paar grundlegende Soft und Hardskills verfügt, ist alles andere nur noch „Tun“. Dieses Tun wiederum kann die Verbesserung der genannten Fähigkeiten fördern – wir sind alle Menschen und ein Mensch kann sich entwickeln. Die Fähigkeiten, die ich anführe, sind mein persönlicher Geschmack und spiegeln das wieder, was ich wichtig finde. Ich habe durchaus Punkte, die ich noch verbessern kann, das geht immer. Das macht es ja so spannend.